AKTUELL

Gemeindebrief September Oktober 2018

 

Unsere Haldensteiner Orgel, gestern und heute

Vor unserer Orgel war lange Zeit nur Gesang! Fast zweihundert Jahre lang mussten die Haldensteiner ihr Gotteslob ohne Instrumentalbegleitung vortragen. Fertiggestellt wurde die jetzige Dorfkirche nämlich im Jahr 1732 ohne eine Orgel. Die Leitung des Kirchgesangs kam dem Vorsänger zu; dieses Amt wurde zumeist vom Schullehrer ausgeübt. 1888 hätte sich endlich die Gelegenheit geboten, von der katholischen Kirchgemeinde Untervaz eine Occasionsorgel zu erwerben. Die Gemeinde lehnte den Kauf jedoch, wohl aus Kostengründen, deutlich ab.

 1911 richtete man einen Orgelfonds ein. Der 1927 vorgeschlagene Kauf eines Harmoniums kam nicht zustande, doch entschloss sich die Gemeinde zwei Jahre später, von der Firma Metzler in Felsberg eine pneumatische Kirchenorgel bauen zu lassen. Der Prospekt, also das Gehäuse der Orgel, wurde vom Churer Architekturbüro Schäfer & Risch entworfen. Im Jahr 1930 konnte das neue Instrument eingeweiht werden.

Unsere Orgel funktioniert nach dem pneumatischen System. Mit dem Tastendruck entweicht Luft aus einem Bleiröhrchen, und der entstehende pneumatische Impuls wird über verschiedene Relais und Umschaltstationen bis unter die einzelnen Pfeifen geführt, wo sich, pneumatisch betätigt, ein Ventil öffnet, das den eigentlichen Orgelwind zur Pfeife führt und diese erklingen lässt. Dieses pneumatische Orgelsystem hat die ursprünglich rein mechanische Steuerung der Orgel zwischenzeitlich vollständig verdrängt.

Parallel zu der technischen Entwicklung der Orgel hat sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber auch das klangliche Ideal der Orgelmusik zu einem romantischen Klangbild hin verändert. Wollte man bei der barocken (oder klassischen) Orgel mit den verschiedenen Registern möglichst viele Kombinationsmöglichkeiten für unterschiedliche Klangfarben anbieten, so stellt demgegenüber die romantische Orgel dem Organisten eine breite Palette von Grundregistern in feiner Abstufung zur Verfügung. Schon in den dreissiger Jahren schwenkte das Pendel aber wieder zurück. Bald wurden die vormals so modernen pneumatischen Orgeln für dekadent und unbrauchbar erklärt. Wo genügend Mittel vorhanden waren, wurden solche pneumatischen Orgeln meist bei erster Gelegenheit durch neue, mechanische Instrumente ersetzt.

Es ist ein grosser Glücksfall, dass die Kirchenbehörden von Haldenstein in den vergangenen Jahrzehnten den wohlgemeinten Ratschlägen von allerhand Experten, Beratern und Orgelbauern widerstanden und ihre Orgel nicht verschrottet und durch ein neobarockes Instrument ersetzt haben. Inzwischen haben sich die Ansichten über die pneumatischen Orgeln nämlich wieder gründlich gewandelt. Pneumatische Orgeln werden heutzutage als vollwertige Musikinstrumente anerkannt und ihre besondere Qualität wird zunehmend geschätzt. Den heutigen kirchenmusikalischen Aufgaben ist unsere Orgel dabei ohne weiteres gewachsen.

Unsere Orgel ist von guter konstruktiver und handwerklicher Qualität und aus besten Materialien gebaut. Das Instrument ist sowohl technisch, als auch klanglich ein Musterbeispiel für eine ausgereifte pneumatische Orgel. Sie ist eine der letzten erhaltenen pneumatischen Kirchenorgeln in Graubünden. Unsere Haldensteiner Orgel erfüllt von daher in hohem Masse die Bedingungen für einen denkmalpflegerischen Schutz.

Nachdem unsere Metzler-Orgel mit ihren über 1000 Pfeifen ihren Dienst mehr als 60 Jahre lang treu versehen hat, wurde sie 1993 total revidiert. Jetzt nach weiteren 25 Jahren haben Staub, Schimmel sowie Abnutzung dazu geführt, dass zahlreiche Register nicht mehr spielbar sind und einzelne Töne mit lautem Pfeifen „stecken bleiben“.

Die Kirchgemeinde hat sich nach eingehenden Beratungen und allgemeiner Diskussion einmütig für die nun anstehende Revision von Spieltisch und Orgelpfeifen entschlossen: damit die Haldensteiner Orgel wieder in neuer alter Klangfülle zum Gemeindegesang ertönen kann und ein regional bedeutendes Kulturgut erhalten bleibt.

Von der budgetierten Gesamtsumme des zu erwartenden Kostenaufwands für die nun anlaufende Orgelrevision stehen trotz des Engagements von Landeskirche und einschlägigen Denkmalschutzbehörden  bis dato noch rund 16‘000.- CHF aus.

 

Wir freuen uns, wenn Sie unsere Bemühungen um das besagte Stück Haldensteiner Geschichte und Identität mit einer Spende auf das Konto der evang.-ref. Kirchgemeinde Haldenstein Konto Nr. IBAN CH40 0077 4000 1108 5570 2 bei der Graubündner Kantonalbank mit dem Vermerk „Orgelrenovation Kirche Haldenstein“ unterstützen.