Biblische Impulse

Woche 5. April bis 11. April

 

Impuls Palmsonntag 2020, Haldenstein,

zu Matthäus 21,1-10 sowie zur Offenbarung des Johannes 6-17.

 

Eine Ab- und Hinweisung. 

Liebe Gemeinde,

„Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker! Aber ist Euch in der letzten Zeit etwas aufgefallen? Die Sache mit dem Virus ist doch nur deshalb aufgekommen, weil ...“

Weil wir Menschen nicht recht glauben und Gott uns jetzt bestrafen will?

Als Jesus in Jerusalem einzieht, wird er jedenfalls als Menschenfreund und Retter gefeiert. Palmzweige streuen die Menschen auf seinen Weg. „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“, jubiliert die Menge (Matthäus 21,9). Traditionell erinnern wir uns daran an Palmsonntag.

Aber, nach ein paar Tagen kippt die Stimmung. Jesus hat unsere menschlichen Vorstellungen von Heil, von einer heiligen, gottgefälligen Glaubensgemeinschaft gerade nicht realisiert. Zur Umkehr in die Gottesgemeinschaft ruft er die Sünder (Lk 5,32). Für viele nicht nachvollziehbar! Sie fordern ungeduldig irdische Gottesbeweise: er „steige […] nun [selber] vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben.“ (Matthäus 27,42).

 

Genauso gut könnten diese Spötter sagen, die Coronaopfer hätten ihren Tod verdient: „Wer an Gott glaubt, braucht keine Medizin, keinen Arzt. Wer stirbt, den hat Gott gerichtet.“

Wie Gott auch in der Endzeit strafen und seinen Zorn ausgiessen werde – in der Offenbarung des Johannes (6-17) beschrieben.

Jeder Tote also ein Zeichen dafür, dass wir nicht richtig glauben und Strafe verdienen?

Oder ist es anders?! Die Offenbarung des Johannes versucht die Gemeinschaft der Glaubenden zu bestärken, in schwierigen Zeiten an Gott und seiner Gerechtigkeit festzuhalten: am Glauben an den liebenden Gott festzuhalten. Sich nicht bedrängen zu lassen durch den römischen Staat und dessen Vergötterung des Kaisers (Off. d. Joh. 17f). 

Die bedrohten Christen beten, dass trotz aller Widrigkeiten und Gefahren Gott derjenige sei, der in allem der Herr ist. - So beten auch wir! 

Dass Gott selber Elend und Plagen, von denen Johannes berichtet (Offenbarung 6-16), für uns Menschen bereiten lasse (Offenbarung 16,17-21), ist ein zwiespältiges Bild von Gott - und von seinem Zorn. Elend und Plagen sind schöpfungsbedingte Folgen der  Konditionen, unter denen wir leben. Ihre Möglichkeit gehört von Anfang an mit zum werdenden Reich Gottes. Ein mutierender Virus ebenso wie unsere Freiheit – auch die Möglichkeit des Missbrauchs von Freiheit durch uns Menschen. Um so mehr lässt das Bild vom vernichtenden Zorn Gottes erahnen, als wie bedrängt Johannes sich empfindet.

Freilich bringt der sich ausgiessende Gotteszorn auch die Ernsthaftigkeit von Gottes Liebe in Erinnerung. Sie richtet sich um des geliebten Menschen willen gegen alles, was ihm schadet. Eine Liebe ohne solchen heiligen Zorn wäre unecht. Aber, Gottes Liebe vernichtet uns nicht, straft nicht. Sie baut auf! Auch in der Endzeit!

Daher: auch die Offenbarung des Johannes taugt nicht zum Beweis von Gottes mutmasslicher Verschwörung gegen uns: dass Gott uns mit Strafen schlagen wolle.

Jesu Leben, Sterben und Auferstehung lässt mich nicht nur am Palmsonntag glauben: Gott ist Liebe (1. Johannes 4,8) und hat durch seinen Sohn Jesus Christus – trotz und wegen unserer Katastrophen - die ganze Welt mit sich selbst versöhnt!

(2. Korinther 5,19; Titus 2,11).

Amen.  

Impuls aus der Region (Landquart)

Woche 29. März bis 4. April

 

Impuls zu Jeremia 37-40.

 

Eine Erinnerung. Jeremia wird gefangen gesetzt

Liebe Gemeinde 

Seit zwei Wochen befindet sich die Schweiz im Notstand. Soweit möglich, sollen wir die Ausbreitung des Corona-Virus stoppen und in unseren Häusern oder Wohnungen bleiben. 

Ob wir wollen oder nicht, kommen wir mit dieser Erfahrung der Einschränkung und der Enge in die ferne Nähe des Propheten Jeremia.

Jeremia freilich war richtig gefangen gesetzt. Ihn hatten die Oberen von Jerusalem „in den überwölbten Raum einer Zisterne“ „im Hause Jonatans, des Schreibers [von Jerusalem]“ werfen lassen, „denn das hatten sie zum Kerker gemacht.“ (Jeremia 37, 15-16) 

 

Nicht zum Schutz gegen Corona, sondern der Angriff kam von den Chaldäern. Einem mächtigen Volk aus dem heutigen Irak.

 

Jeremia war der Meinung, man solle sich dieser feindlichen Übermacht anpassen und ergeben. Kampflos und dafür die Stadt und das eigene Leben retten. Das sei der Wille Gottes. Davon erzählt der Prophet selbst noch während seiner Gefangenschaft. Jeremia riskiert dabei sein Leben - weil er Gottes Wort hat. 

 

Andererseits „nimmt er den Kriegsleuten, die noch übrig sind in dieser Stadt, den Mut, desgleichen dem ganzen Volk, weil er solche Worte zu ihnen sagt.“ „Da nahmen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne Malkijas, des Königssohnes, die im Wachthof war, … . In der Zisterne war aber kein Wasser, sondern Schlamm und Jeremia sank in den Schlamm.“ (Jeremia 38, 4-6) 

 

Jetzt, so könnte man denken, ist es aus mit ihm, dem fragwürdigen Kritiker des eigenen Volkes. Und so schlimm ist unsere aktuelle „Gefangenschaft“ wirklich nicht, denke ich. Ich möchte nicht mit Jeremia tauschen und im Schlamm der Zisterne verrotten!

 

Doch Jeremia überlebt! Weil Jerusalems König Zedekia spürt, dass an Jeremias Mission etwas dran sein könnte, lässt er ihn nach seiner Meinung fragen und in ein besseres Gefängnis überführen (Jeremia 38, 14-27). Jeremia bleibt am Leben!

 

Am Ende wird der Prophet Jeremia sogar von den siegreichen Chaldäern befreit und mit Geschenken versehen (Jeremia 39, 11- 40,6). Die Königssöhne dagegen und die Oberen Judas werden von den Chaldäern vor den Augen des Königs Zedekia getötet. Dem Zedekia werden von den Chaldäern sodann noch die Augen ausgestochen (Jeremia 39, 1-10).

 

Jetzt hat sich das Blatt definitiv gewendet! Der vormals Gefangene hat im Vertrauen auf Gottes Wort ausgehalten und durchgehalten. Jeremia wird im Rahmen seiner Mission befreit und beschenkt.

 

So hat Gott den Jeremia bestärkt und ihm Hilfe zukommen lassen, im Jahr 587 vor Christus.

 

Gott lasse so auch uns überleben! Gott helfe so auch uns in unserer Enge und Einschränkung und stehe uns bei! Gerne auch mit einem Geschenk.   

Amen.

Woche 21. bis 28. März

Das ist zur Glaubenszuversicht.

Liebe Gemeinde,

manche sagen, wir seien im Krieg. Eine heftige Wortwahl!

Der Feind: das Coronavirus.

Unsichtbar für unsre Augen können wir es nicht schmecken, riechen, hören oder tasten. Ein Gegner, der sich rasend schnell verbreitet. Und dann angreift und gnadenlos zuschlägt.

Jeden kann es treffen. Schon ein Griff an die Türklinke kann ausreichen, und wir infizieren uns.

Gefährdet sind besonders Ältere und geschwächte Menschen. Sie könnten sterben.

Indirekt leiden wir alle. Manche, weil ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird; andere, weil ihr Einkommen bedroht ist. Wie lange können die Betriebe den allgemeinen Stillstand aushalten? Habe ich genug Geld auf dem Konto - und Brot im Haus?

 

Wir spüren, wie verletzlich wir sind. Nicht nur der einzelne, sondern unsere ganze Gesellschaft, das ganze Leben, das wir gewöhnlich so führen.

Das ist die eine Erfahrung! Ohnmächtig und voller Zweifel würde diese uns zurücklassen, wenn es nicht auch die andere gäbe.

Die Erfahrung der Zuwendung, der Besinnung und der Solidarität!

 Ich sehe Menschen, die wieder Zeit füreinander haben. Menschen, die anhalten und stehen bleiben für ein Gespräch - mit etwas Abstand. Menschen, die von dem sprechen, was ihnen wirklich wichtig ist; was sie trägt. Menschen, die aus blosser Menschlichkeit einander anlächeln und fragen, ob der andere Hilfe braucht.

 

Das macht mir Mut und gibt Hoffnung! Hoffnung auf den Sieg gegen das Coronavirus. Dank der Verbundenheit zwischen Menschen. So hoffe ich, dass die staatlichen Massnahmen greifen werden. Auch hoffe ich, dass den weltweiten Forschern ein Durchbruch gelingen wird.

Ich bin zuversichtlich, dass wir Menschen etwas Gutes bewirken können - gemeinsam. Wenn wir getragen von unserem Glauben die Hoffnung bewahren und aktiv füreinander da sind.

Mag der Feind, den wir bekämpfen, auch unsichtbar sein. Mag das Gute, das wir anstreben, ebenfalls unsichtbar sein. Im Glauben bewahren wir die Zuversicht, dass das Gute uns erreichen wird - von Gott her.

 

»Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.« (Paulus, Hebräerbrief 11,1)

Amen.

 

Woche 12. bis 20. März

 Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes. Psalm 27,5

Geborgenheit, Schutz, ein Zelt um mich herum, wenn ich es brauche, wenn die Welt Schutz braucht. Im Kleinen und im Grossen ist Gott da und hält seine Hütte bereit für uns.

 

Oft frage ich mich, weshalb es mir so schlecht gelingt, auf diesen Schutz zu vertrauen. Oder habe ich die Erfahrung eines wirklich Schutzbedürftigen noch nicht wirklich gemacht? Ist es eine faule Ausrede, wenn ich denke, Gott, die Lebendige ist es, die mir Schutz anbietet? Die Hütte steht, das Zelt ist bereit. Und wenn ich diesen Schutz brauche, dann steht er mir zur Verfügung. Freilich, ihn wahrzunehmen, das ist meine Aufgabe. Auf Gottes Initiative, auf sein Angebot, zu antworten und die Hütte aufzusuchen, das ist der Schritt, den ich tun muss.

 

Aber was ist mit all den Millionen von Menschen, die Schutz dringend nötig haben und die immer wieder in Angst und Schrecken versetzt werden auf ihrer Flucht, die abgewiesen werden und den Schutz nie erreichen? Auch ihnen gilt das Angebot, ihnen erst recht. Auch im Grossen ist Gott da.

 

Und gerade da stosse ich an und kann nicht anders, als - hoffentlich mit vielen anderen zusammen - Gott zu bitten, seine Hütte immer neu aufzurichten und den Menschen Schutz zu bieten.