Biblische Impulse

Sonntag nach Auffahrt, 24. Mai Bis 30. mai

zu Johannesevangelium 17, 20-26:

das ist zu Jesu letztem grossen Gebet für uns.

 

Liebe Gemeinde,

 

was fahren Sie eigentlich für einen Wagen? Oder fahren Sie Bus und Bahn? Und was würde Jesus wohl fahren? Ein Elektromobil? Sicher wissen wir nur, dass Jesus gelegentlich Boot gefahren ist – zusammen mit den Fischern auf dem See Genezareth. Nichts Grosses also! Und dennoch ist Jesus auf grosse Fahrt gegangen, berichtet uns doch die Bibel von seiner Auffahrt in den Himmel. Ein erfreuliches Ereignis! Jesus fährt zu seinem und unserem himmlischen Vater! Gleichwohl ein Abschied!

Der Stifter unserer Religion lässt uns auf Erden zurück. Ohne ihn könnte es schwer werden. Die Zeit nach seiner Himmelfahrt war und ist geprägt von Auseinandersetzungen zwischen Christen untereinander – auch von uns Christen mit „der Welt“. Deshalb spricht Jesus kurz vor seiner Gefangennahme und folgenden Hinrichtung ein letztes, grosses Gebet für uns (Johannesevangelium17).

Er will Mut machen für die Zeit, wenn er nicht mehr da ist. Mut macht er uns dabei durch Hinweis auf seine und unsere Herrlichkeit: „Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast.“ (Johannesevangelium 17, 22)

Wir haben teil an seiner Herrlichkeit, die er von Gott bekommen hat: Gottes Herrlichkeit! Diese Herrlichkeit Gottes haben wir jetzt schon! Mit ihr sind wir in der Lage, seinem leuchtenden Beispiel nachzufolgen. Da können wir unbesorgt sein! Sorge bereitet Jesus allein die Befürchtung, dass wir den Glanz unserer Herrlichkeit verlieren könnten: durch Uneinigkeit und Streiterei. Uneinigkeit und Streiterei verdunkeln die Liebe, die Gott durch Jesus Christus aussendet.

Deshalb betet Jesus dafür, „dass sie alle eins seien“(Johannesevangelium 17, 21). Nicht gegen Vielfalt und Differenzierungen, sondern für einen liebevollen Umgang mit den vorhandenen Unterschieden! Durch unseren Umgang miteinander soll bei aller Vielfalt der Gewohnheiten und Auffassungen die Liebe Gottes durchscheinen! Vereint in der gemeinsamen Verbundenheit mit Jesus Christus können wir Unterschiede aushalten– weil wir in Christus in der einen Liebe Gottes verwurzelt sind.

In der Liebe Gottes verwurzelt behält unsre Herrlichkeit ihren hellen Schein und strahlt leuchtend nach aussen aus.

Wie schon die Herrlichkeit Jesu zum Vorbild und Zeichen für uns geworden ist –

im Zeichen seiner Auffahrt gen Himmel!

Amen.

 

5. Sonntag nach Ostern, 17. Mai bis 23. mai

zu Matthäusevangelium 6, 5-15

das ist zum Beten nach Ostern

 

Liebe Gemeinde,

 

der Ostersieg Christi kann nicht ohne Folgen bleiben! Freude und Lobpreis über das Handeln Gottes tragen wir seit Ostern im Herzen. Und dennoch beten wir! Obwohl der Sieg schon errungen, der Feind schon geschlagen ist! Denn neben dem Jubelklang der Kirchglocken hören wir immer noch den Schrei der gequälten Kreatur, sehen wir das Leid, das noch da ist.

 

Unser Bibel-Wort für diese neue Woche weiss darum. Mitten im Evangelium, mitten in der Bergpredigt Jesu finden wir es: das Unser Vater.

Nicht nur Gottes namentlich unaussprechliche HEILIGKEIT weiss dieses Gebet mit Gottes NÄHE verbunden: zum „unser Vater im Himmel“!

Sondern sein REICH und allmächtiger Wille sind solidarisch verbunden mit unserer täglichen, irdischen SORGE.

„Unser tägliches Brot gib uns heute!“ (Matthäusevangelium 6, 11). Das ist die Bitte für das Wohlergehen besonders des Leibes. Wir vertrauen auf Gott, dass er weiss, was wir brauchen – und es uns zum Werden seines Reiches auch gibt.

Gepaart mit der Sorge um unser seelisches Wohlergehen: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“(Matthäusevangelium 6, 12).

Die Schuld zwischen Menschen und gegenüber Gott soll behoben werden. Nichts soll uns auf ewig belasten! Und nichts trenne auch nur einen Moment lang unsere Hoffnungen von unserem Handeln – oder unser Handeln von unserem Hoffen!

Denn wir beten und hoffen, dass Gott an uns handelt! Und dass aus seinem Handeln das unsere erwachse!

Darum geht es an diesem Sonntag: die ganze Welt mit ihrer Freude und ihrem Leide vor Gott zu tragen und zu hoffen, dass er vollenden wird, was er an Ostern begonnen hat.

 

Darauf hoffen wir im Gebet leidenschaftlich und strecken uns freudig auf die Vollendung hin.

„Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

Dein Reichkomme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.“ (Matthäusevangelium 6, 5-15)

Amen.

4. Sonntag nach Ostern, 10. mai bis 16. mai

zu 2. Chr. 5, 2-14 (vgl. 1Kön 8, 1-11) und 1.Kor. 6, 19:

das ist zu unserer Lebensfreude und Verantwortung.

 

Liebe Gemeinde,

Freude herrscht, denn Gott zieht ein! Zuvor hatte er nur in einer (Stifts-) Hütte gewohnt. Jetzt wohnt er zum ersten Mal in seinem Leben in einem Tempel - den König Salomo ihm gebaut hat.

Ein herrliches Fest wird gefeiert, „mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN.“

(2. Chr. 5, 12f)

Und dem HERRN gefällt seine neue Lebens- und Wohnsituation in dem von Menschenhand gebauten Tempel: „da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, […] denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.“ (2. Chr. 5, 13f)

Was für ein grossartiges Ereignis! Was für eine Freude für das Volk (vgl. 2. Chr. 5, 3)!

Der Übergang in ein neues Leben ist gelungen, für Gott und das Volk! - Oder ist es das alte

Leben?

Die Freude jedenfalls ist gross - so, wie wir uns in diesen Tagen über die Lockerung der Corona-Massnahmen freuen! Und dabei den Alltag, das tagtägliche Miteinander, unser altes Leben wieder neu-entdecken, neu verspüren, im Übergang.

Für uns Christen eigentlich eine wohlvertraute Glaubenserfahrung: der Übergang in ein neues Leben, mit und seit der Taufe! Wir sind da, im neuen Leben und zugleich noch auf dem Weg ins neue Leben, anzukommen bei dem Gott – der schon bei uns ist.

„Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?“ (1. Kor. 6, 19)

Paulus ruft uns dieses „eigentlich-jetzt-schon-da-Sein“ Gottes in Erinnerung. Gott ist schon da in unserem Leib mit seinem heiligen Geist, ist mit der Taufe in uns eingezogen, hat uns schon „begeistet“.

 

Wie beim Tempel Salomos: Gottes Herrlichkeit ist eingezogen, wohnt ins uns. Wir repräsentieren sie leibhaftig.

Uns zur Freude! Lasst uns feiern! Mit Trompeten, mit Musik - auf jede Weise! Offen für die Lebensfreude, die Gott uns durch unsere Leibes-Sinne vermittelt geschenkt hat!

IHM, dem wahren Herrn des Tempels, dankend! Mit der Achtung vor dem Leben, das er uns gegeben hat. Freudig und verantwortungsbewusst – in Zeiten der Lockerung.

 

Amen.

 

Taufschale der Kirche Haldenstein

3. Sonntag nach Ostern, 3. Mai bis 9. Mai

zu Johannes 15, 5-8,

das ist zum Bild-Wort vom Weinstock.

Liebe Gemeinde,

gute Worte machen Freude! Und Freunde machen gute Worte - Worte, die auch in schweren Zeiten tragen! Auch Jesus gibt seinen Anhängern und Freunden gute Worte mit, die tragen und trösten sollen.Besonders eindrücklich ist das Bild-Wort vom Weinstock.

Jesus spricht es im Johannesevangelium zum Abschied von den Seinen. Er sagt:

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ (Johannesevangelium 15, 5)

Jesus ist demnach der Weinstock, der Baum. Wir sind in verwachsener Verbundenheit die Reben, die Triebe. Die Triebe können ohne den Baum nicht leben. Jesus ist es ernst! Es geht ihm um´s ganze Leben, um meine ganze Existenz, um meine existenzielle Grundhaltung – in Verbundenheit mit ihm und in Bezogenheit auf Gott. „Wenn ihr in mir bleibt […, …] wird mein Vater verherrlicht.“ (Johannesevangelium 15, 7-8)

Wer in Jesus bleibt, bleibt in Gott und Gott verherrlicht sich in ihm!Wie diese Worte seinerzeit wohl geklungen haben? Angesichts der Lebensgefahr, in der Jesus und die Seinen standen, vermutlich eher tröstend und einladend, wenn auch zugleich

fordernd und mahnend.

Und wir heutzutage? Auch uns bittet Jesus eindringlich: Denkt an die freundschaftliche Liebe, die Gott uns schenkt! Sie blüht und grünt an euch selbst und bringt gute Frucht. Auch auf der Suche, wenn ich mich frage, was Christsein

genau bedeutet. Sogar noch im Zweifel, wenn ich aufgrund so vieler Ungerechtigkeiten und Leiden dieser Welt ins Offene gerate. Gerade auch in schwierigen Situationen fordert Jesus uns auf, am christlichen Weinstock zu bleiben, mit anderen „Reben“ im Austausch zu bleiben, gemeinsam nach Lebenssaft zu suchen, gemeinsam die Lebensquelle anzuzapfen und gemeinsam auf dem Weg der Hingabe gute Frucht zu bringen.

An diesem einen hängen wir, der gute Frucht geben kann und geben wird. Er war nicht nur bereit, sein eigenes Leben zu geben, sondern hat uns überhaupt alles Leben geschenkt – auch das ewige. Er ist es, der uns durch und in Jesus Christus Verheissung und Trost zuspricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ (Johannesevangelium 15, 5)

Amen!

2. Sonntag nach Ostern, 26. April bis 2. Mai

1. Petrus 2 und 3, das ist zu Freiheit und Heil.

 

Liebe Gemeinde,

heute mal ohne Corona! Die Frage: wie werde ich damit fertig, wenn einer mir etwas Böses antut? Als Christ soll ich doch meine Feinde lieben und auch die linke Wange hinhalten! - Oder nicht?

Auch der Erste Petrusbrief antwortet uns mit einem derart schwierigen Ratschlag. Er fordert uns auf, Jesus Christus nachzuahmen: „der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt“ (1. Petrus 2, 23f)

Dabei wäre Gegenwehr doch nur allzu verständlich! Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus! Quasi ein Naturgesetz. Doch, entscheide ich dann noch selber, welches Wort ich in die Welt setze? Wo bleibt meine Souveränität, meine Freiheit?

 

Friedrich Nietzsche hat dem Christentum vorgeworfen, es wäre zu mitleidig, zu weich: eine Sklavenmoral.

Doch der christliche Weg ist der Weg in die Freiheit! Wer dem Gebot und Beispiel Jesu folgt, weigert sich nämlich, bloss das Echo der anderen zu sein. Es liegt eine Grösse und Eigenständigkeit darin, das Böse mit Gutem zu vergelten. Deshalb sagt der Erste Petrusbrief: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem und nicht Schimpfwort mit Schimpfwort, sondern segnet und wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben“ (1. Petrusbrief 3,9).

Doch: auch wenn wir das prinzipiell gut finden, die eigene Grösse und Souveränität - haben wir wirklich die Kraft dazu, die mentale Stärke, das Herz?

Der Erste Petrusbrief verweist uns auf Christus und darauf, wie er zu seiner Herzenskraft gekommen ist: „er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet“ (1. Petrusbrief 2,23) Das heisst: Jesus vertraute auf Gott! Und Gott richtet! Gott urteilt - vollgültig und endgültig - über das Böse. Gott nimmt dem Bösen seine Macht, seine Kraft, seine scheinbare Richtigkeit - und bewahrt uns. Er, „der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leib auf das Holz“ (1. Petrusbrief 2,24), er überwindet das Böse mit dem Guten. Und so lässt mich heil werden.

Heil, zum Beispiel, wenn ich gekränkt bin, wenn mir etwas an die Nieren geht oder auf den Magen schlägt. Dann brauche ich den heilenden Überwinder. Sonst hallen böse Worte und Taten wie ein Echo in mir wieder.

Gott aber hilft! Von IHM kommt die Kraft, nicht nur Echo zu sein, sondern heilsame Stimme, die segnet (1. Petrusbrief 3,9): „segnet und wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben“.

Amen!

 

Nach Ostern, 19. bis 25. April

 

Impuls zum 1. Sonntag nach Ostern 2020

 

mit Lied aus dem Kirchgesangsbuch Nr. 462

 

Das ist zur Auferstehung. 

 

Liebe Gemeinde,

„Christ ist erstanden von der Marter alle“! Diesen Choral singen wir gerne in unseren Ostergottesdiensten (RG 462)! Zur diesjährigen Osterzeit liegt die Welt freilich noch im Bann der Corona-Epidemie. Auch wenn sich für die Schweiz erste Lockerungen der ergriffenen Massnahmen abzeichnen.

 

Lange hat das alltägliche Leben geruht. Keine Kindergärten, keine Schulen, keine Restaurants, die meisten Läden und Geschäfte geschlossen. Auch keine Sportveranstaltungen, keine Konzerte, keine Museen, kein Theater. Weltweit fast kein Flugverkehr mehr. Und keine Gottesdienste! Wohl zum ersten Mal seit der Entstehung des Christentums.

 

Neben den wirtschaftlichen Folgen, die dieser Zustand hervorruft, gefährdet er ernsthaft unser seelisches Leben.

 

„Hinabgestiegen in das Reich des Todes“, so heisst es im Apostolischen Glaubensbekenntnis über Jesus Christus.

 

Etwas Unwirkliches liegt über dem Land. Mancherorts herrscht Totenstille. In manchen Ländern ist die Konfrontation mit dem Tod besonders heftig: die Gesundheitssysteme brechen zusammen, das tägliche Brot wird unsicher, Unruhe kommt auf.

 

Und dennoch: „Christ ist erstanden von der Marter alle. Des sollen wir alle froh sein; Christ will unser Trost sein. Ky-ri-e-leis“.

 

Ein Auferstehen der Welt aus den Banden der Pandemie deutet sich an. Auferstehung  ist Gottes Aufstand gegen den Tod und für das Leben. Gott verwandelt das alte Leben in ein neues Leben. Gegen die Todesmächte dieser Welt, die unser Leben bedrohen.

 

Unser Leben! Von Gott gegeben. Wir wollen es vom Tode zurückhaben – und bessern! Auch das heisst Auferstehung! Nach dem auferstandenen Gott und unserem Leben zu fragen!

 

Etwa so: was können wir heute und zukünftig gegen weltweite Virusinfektionen unternehmen? Oder: woran wollen wir zukünftig die Zahl unserer Spitalbetten orientieren? Was gehört tatsächlich zur lebenswichtigen Infrastruktur? Oder: warum werden jetzt täglich die Zahlen der Corona-Toten veröffentlicht, nicht aber die Zahlen der täglichen Hungertoten? Bei neun Millionen Hungertoten jährlich wären das täglich ca. 24.000!

Und, sind unsere Gottesdienste, ist die Kommunikation von Grundauffassungen von „Leben“ nicht ebenfalls systemrelevant? 

 

Meine christliche Grundauffassung: Gott will, dass alle Menschen gut leben! Davon zeugt das Ostergeschehen, als Hochpunkt der Verwandlung des Lebens zum Guten hin!

 

Gut, dass es einen Weg in das alt-neue Leben geben wird! Ein neues Leben mit geschärftem Blick auch für die anderen und ihre Nöte.

Bewusst dessen, was uns allen gut tut: zu wissen, dass Gott uns beim Aufstand für das Leben den Weg geebnet hat!

 

„Christ ist erstanden von der Marter alle“

Amen!

Osterwoche, 12. bis 18. April

Impuls Ostersonntag 2020, Haldenstein,

zum ungläubigen Thomas (Johannesevangelium 20,24-30),

das ist zum Osterglauben und seiner Heilsamkeit.

 

Liebe Gemeinde,

„Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon [Petrus] erschienen“ (Lukasevangelium 24,34). Halleluja! Ostern entfällt nicht! Auch nicht im Notstand. Es hat bereits stattgefunden – und ist noch immer am Werk!

Gott hat nämlich Zeit und ist langmütig. Auch damals schon. Wir sehen das an der Geschichte vom ungläubigen Thomas.

Der hatte Ostern gleich mehrfach verpasst. War weder mit den Frauen morgens am leeren Grab. Noch hatte er eine besondere Erscheinung, wie zum Beispiel Petrus und andere sie hatten. Ihren Erzählungen misstraut er. Als Jesus am Abend des Ostertages in die Mitte der versammelten Jüngerschaft tritt, ist Thomas ebenfalls nicht dabei.

So, wie wir, lebt er von der Tradition, die ihm die „vor ihm“ zu geben haben. Aber das reicht ihm nicht. Ist ihm nicht sicher genug.

 

„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich´s nicht glauben“ (Johannesevangelium 20, 25).

 

„Und nach acht Tagen waren seine [Jesu] Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen“ (Johannesevangelium 20, 26)

 

Eine ganze Woche muss Thomas also warten, während die anderen schon österlich begeistert sind. - Und dann passiert es endlich!

 

„Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Johannesevangelium 20, 26f)

 

Jetzt bekommt auch Thomas sein Ostererlebnis geschenkt: Jesu Wundmale offenbaren ihm die Identität des Auferstandenen mit dem Gekreuzigten. Vor allem offenbaren sie ihm dabei die verwandelnde Liebe und Lebenskraft Gottes.

 

Der Auferstandene ist nicht bloss der Verstorbene, in Wunden weiterlebend. Sondern Gott hat den Jesus heil gemacht und erkennbar gemacht als den, der er wirklich ist. Die Wundmale bleiben, als Erinnerung. Aber, als eine Geschichte, die von Gott her in ihr gutes Endziel überführt worden ist. Die Wundmale erinnern Gottes heilsame Liebe zum Leben!

Die Wundmale eröffnen dem Thomas, dass Gott auch ihn selbst und seine Wunden heilt – auch ihn zu seiner Wahrheit des Lebens bringt. Die Wundmale erinnern daran, wer wir selber als durch Gott von allem Leid Geheilte eigentlich sind: Gottes geliebte Kinder!

 

„Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!“ (Johannesevangelium 20, 28)

 

Für uns als diejenigen, die bei diesem ersten Ostern nicht dabei sein und sehen konnten und (auch) in diesem Jahr nicht in der erhofften Weise Ostern feiern können, fügt Jesus wie als Trost an: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Johannesevangelium 20, 29)

 

Das alles, damit wir „durch den Glauben“ „in seinem Namen“ „das Leben“ haben  (Johannesevangelium 20, 30).

 

Amen und frohe, gesegnete Ostern!

 

Caravaggio, der ungläubige Thomas

 

 

Woche 5. April bis 11. April

 Impuls Palmsonntag 2020, Haldenstein,

zu Matthäus 21,1-10 sowie zur Offenbarung des Johannes 6-17.

 

Eine Ab- und Hinweisung. 

Liebe Gemeinde,

„Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker! Aber ist Euch in der letzten Zeit etwas aufgefallen? Die Sache mit dem Virus ist doch nur deshalb aufgekommen, weil ...“

Weil wir Menschen nicht recht glauben und Gott uns jetzt bestrafen will?

Als Jesus in Jerusalem einzieht, wird er jedenfalls als Menschenfreund und Retter gefeiert. Palmzweige streuen die Menschen auf seinen Weg. „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“, jubiliert die Menge (Matthäus 21,9). Traditionell erinnern wir uns daran an Palmsonntag.

Aber, nach ein paar Tagen kippt die Stimmung. Jesus hat unsere menschlichen Vorstellungen von Heil, von einer heiligen, gottgefälligen Glaubensgemeinschaft gerade nicht realisiert. Zur Umkehr in die Gottesgemeinschaft ruft er die Sünder (Lk 5,32). Für viele nicht nachvollziehbar! Sie fordern ungeduldig irdische Gottesbeweise: er „steige […] nun [selber] vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben.“ (Matthäus 27,42).

 

Genauso gut könnten diese Spötter sagen, die Coronaopfer hätten ihren Tod verdient: „Wer an Gott glaubt, braucht keine Medizin, keinen Arzt. Wer stirbt, den hat Gott gerichtet.“

Wie Gott auch in der Endzeit strafen und seinen Zorn ausgiessen werde – in der Offenbarung des Johannes (6-17) beschrieben.

Jeder Tote also ein Zeichen dafür, dass wir nicht richtig glauben und Strafe verdienen?

Oder ist es anders?! Die Offenbarung des Johannes versucht die Gemeinschaft der Glaubenden zu bestärken, in schwierigen Zeiten an Gott und seiner Gerechtigkeit festzuhalten: am Glauben an den liebenden Gott festzuhalten. Sich nicht bedrängen zu lassen durch den römischen Staat und dessen Vergötterung des Kaisers (Off. d. Joh. 17f). 

Die bedrohten Christen beten, dass trotz aller Widrigkeiten und Gefahren Gott derjenige sei, der in allem der Herr ist. - So beten auch wir! 

Dass Gott selber Elend und Plagen, von denen Johannes berichtet (Offenbarung 6-16), für uns Menschen bereiten lasse (Offenbarung 16,17-21), ist ein zwiespältiges Bild von Gott - und von seinem Zorn. Elend und Plagen sind schöpfungsbedingte Folgen der  Konditionen, unter denen wir leben. Ihre Möglichkeit gehört von Anfang an mit zum werdenden Reich Gottes. Ein mutierender Virus ebenso wie unsere Freiheit – auch die Möglichkeit des Missbrauchs von Freiheit durch uns Menschen. Um so mehr lässt das Bild vom vernichtenden Zorn Gottes erahnen, als wie bedrängt Johannes sich empfindet.

Freilich bringt der sich ausgiessende Gotteszorn auch die Ernsthaftigkeit von Gottes Liebe in Erinnerung. Sie richtet sich um des geliebten Menschen willen gegen alles, was ihm schadet. Eine Liebe ohne solchen heiligen Zorn wäre unecht. Aber, Gottes Liebe vernichtet uns nicht, straft nicht. Sie baut auf! Auch in der Endzeit!

Daher: auch die Offenbarung des Johannes taugt nicht zum Beweis von Gottes mutmasslicher Verschwörung gegen uns: dass Gott uns mit Strafen schlagen wolle.

Jesu Leben, Sterben und Auferstehung lässt mich nicht nur am Palmsonntag glauben: Gott ist Liebe (1. Johannes 4,8) und hat durch seinen Sohn Jesus Christus – trotz und wegen unserer Katastrophen - die ganze Welt mit sich selbst versöhnt!

(2. Korinther 5,19; Titus 2,11).

Amen.  

Impuls aus der Region (Landquart)

Woche 29. März bis 4. April

 

Impuls zu Jeremia 37-40.

 

Eine Erinnerung. Jeremia wird gefangen gesetzt

Liebe Gemeinde 

Seit zwei Wochen befindet sich die Schweiz im Notstand. Soweit möglich, sollen wir die Ausbreitung des Corona-Virus stoppen und in unseren Häusern oder Wohnungen bleiben. 

Ob wir wollen oder nicht, kommen wir mit dieser Erfahrung der Einschränkung und der Enge in die ferne Nähe des Propheten Jeremia.

Jeremia freilich war richtig gefangen gesetzt. Ihn hatten die Oberen von Jerusalem „in den überwölbten Raum einer Zisterne“ „im Hause Jonatans, des Schreibers [von Jerusalem]“ werfen lassen, „denn das hatten sie zum Kerker gemacht.“ (Jeremia 37, 15-16) 

 

Nicht zum Schutz gegen Corona, sondern der Angriff kam von den Chaldäern. Einem mächtigen Volk aus dem heutigen Irak.

 

Jeremia war der Meinung, man solle sich dieser feindlichen Übermacht anpassen und ergeben. Kampflos und dafür die Stadt und das eigene Leben retten. Das sei der Wille Gottes. Davon erzählt der Prophet selbst noch während seiner Gefangenschaft. Jeremia riskiert dabei sein Leben - weil er Gottes Wort hat. 

 

Andererseits „nimmt er den Kriegsleuten, die noch übrig sind in dieser Stadt, den Mut, desgleichen dem ganzen Volk, weil er solche Worte zu ihnen sagt.“ „Da nahmen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne Malkijas, des Königssohnes, die im Wachthof war, … . In der Zisterne war aber kein Wasser, sondern Schlamm und Jeremia sank in den Schlamm.“ (Jeremia 38, 4-6) 

 

Jetzt, so könnte man denken, ist es aus mit ihm, dem fragwürdigen Kritiker des eigenen Volkes. Und so schlimm ist unsere aktuelle „Gefangenschaft“ wirklich nicht, denke ich. Ich möchte nicht mit Jeremia tauschen und im Schlamm der Zisterne verrotten!

 

Doch Jeremia überlebt! Weil Jerusalems König Zedekia spürt, dass an Jeremias Mission etwas dran sein könnte, lässt er ihn nach seiner Meinung fragen und in ein besseres Gefängnis überführen (Jeremia 38, 14-27). Jeremia bleibt am Leben!

 

Am Ende wird der Prophet Jeremia sogar von den siegreichen Chaldäern befreit und mit Geschenken versehen (Jeremia 39, 11- 40,6). Die Königssöhne dagegen und die Oberen Judas werden von den Chaldäern vor den Augen des Königs Zedekia getötet. Dem Zedekia werden von den Chaldäern sodann noch die Augen ausgestochen (Jeremia 39, 1-10).

 

Jetzt hat sich das Blatt definitiv gewendet! Der vormals Gefangene hat im Vertrauen auf Gottes Wort ausgehalten und durchgehalten. Jeremia wird im Rahmen seiner Mission befreit und beschenkt.

 

So hat Gott den Jeremia bestärkt und ihm Hilfe zukommen lassen, im Jahr 587 vor Christus.

 

Gott lasse so auch uns überleben! Gott helfe so auch uns in unserer Enge und Einschränkung und stehe uns bei! Gerne auch mit einem Geschenk.   

Amen.

Woche 21. bis 28. März

Das ist zur Glaubenszuversicht.

Liebe Gemeinde,

manche sagen, wir seien im Krieg. Eine heftige Wortwahl!

Der Feind: das Coronavirus.

Unsichtbar für unsre Augen können wir es nicht schmecken, riechen, hören oder tasten. Ein Gegner, der sich rasend schnell verbreitet. Und dann angreift und gnadenlos zuschlägt.

Jeden kann es treffen. Schon ein Griff an die Türklinke kann ausreichen, und wir infizieren uns.

Gefährdet sind besonders Ältere und geschwächte Menschen. Sie könnten sterben.

Indirekt leiden wir alle. Manche, weil ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird; andere, weil ihr Einkommen bedroht ist. Wie lange können die Betriebe den allgemeinen Stillstand aushalten? Habe ich genug Geld auf dem Konto - und Brot im Haus?

 

Wir spüren, wie verletzlich wir sind. Nicht nur der einzelne, sondern unsere ganze Gesellschaft, das ganze Leben, das wir gewöhnlich so führen.

Das ist die eine Erfahrung! Ohnmächtig und voller Zweifel würde diese uns zurücklassen, wenn es nicht auch die andere gäbe.

Die Erfahrung der Zuwendung, der Besinnung und der Solidarität!

 Ich sehe Menschen, die wieder Zeit füreinander haben. Menschen, die anhalten und stehen bleiben für ein Gespräch - mit etwas Abstand. Menschen, die von dem sprechen, was ihnen wirklich wichtig ist; was sie trägt. Menschen, die aus blosser Menschlichkeit einander anlächeln und fragen, ob der andere Hilfe braucht.

 

Das macht mir Mut und gibt Hoffnung! Hoffnung auf den Sieg gegen das Coronavirus. Dank der Verbundenheit zwischen Menschen. So hoffe ich, dass die staatlichen Massnahmen greifen werden. Auch hoffe ich, dass den weltweiten Forschern ein Durchbruch gelingen wird.

Ich bin zuversichtlich, dass wir Menschen etwas Gutes bewirken können - gemeinsam. Wenn wir getragen von unserem Glauben die Hoffnung bewahren und aktiv füreinander da sind.

Mag der Feind, den wir bekämpfen, auch unsichtbar sein. Mag das Gute, das wir anstreben, ebenfalls unsichtbar sein. Im Glauben bewahren wir die Zuversicht, dass das Gute uns erreichen wird - von Gott her.

 

»Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.« (Paulus, Hebräerbrief 11,1)

Amen.

 

Woche 12. bis 20. März

 Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes. Psalm 27,5

Geborgenheit, Schutz, ein Zelt um mich herum, wenn ich es brauche, wenn die Welt Schutz braucht. Im Kleinen und im Grossen ist Gott da und hält seine Hütte bereit für uns.

 

Oft frage ich mich, weshalb es mir so schlecht gelingt, auf diesen Schutz zu vertrauen. Oder habe ich die Erfahrung eines wirklich Schutzbedürftigen noch nicht wirklich gemacht? Ist es eine faule Ausrede, wenn ich denke, Gott, die Lebendige ist es, die mir Schutz anbietet? Die Hütte steht, das Zelt ist bereit. Und wenn ich diesen Schutz brauche, dann steht er mir zur Verfügung. Freilich, ihn wahrzunehmen, das ist meine Aufgabe. Auf Gottes Initiative, auf sein Angebot, zu antworten und die Hütte aufzusuchen, das ist der Schritt, den ich tun muss.

 

Aber was ist mit all den Millionen von Menschen, die Schutz dringend nötig haben und die immer wieder in Angst und Schrecken versetzt werden auf ihrer Flucht, die abgewiesen werden und den Schutz nie erreichen? Auch ihnen gilt das Angebot, ihnen erst recht. Auch im Grossen ist Gott da.

 

Und gerade da stosse ich an und kann nicht anders, als - hoffentlich mit vielen anderen zusammen - Gott zu bitten, seine Hütte immer neu aufzurichten und den Menschen Schutz zu bieten.